Li Yonggeng
Die Ausstellung „Verschreibung“ präsentiert zum ersten Mal in Europa, vom 5. Juli bis zum 30. August 2014 in der Galerie
SHI FANG Fine Art in Düsseldorf, Arbeiten des chinesischen Künstlers Li Yong- geng, aus seiner gleichnamigen Serie.
Die Arbeiten für die Ausstellung stammen aus dem Zeitraum von 2006 bis 2013. Sie sind alle nach demselben Prinzip gearbeitet, Li bespannt einen Keilrahmen mit einem farbigen Stoff, den er dann verletzt oder von jemand anderem verletzen lässt, um ihn anschlie- ßend wieder zusammen zu nähen. Der Titel der Serie, „处方“ lässt sich als
„Verschreibung“ übersetzen, dies ist im Sinne der ärztlichen Verschreibung eines Medikamentes oder einer Therapie zu verstehen. Li spielt damit auf die Methoden an, mit denen der Mensch seine Umwelt behandelt, dabei bleibt der medizinische Kontext im Hinter- grund bestehen, lässt sich aber auch auf andere Bereiche des Lebens ausweiten. Seine Arbeit mit der Leinwand ist ein Erfahren der eigenen Umgangsweise, den Umgangsformen mit dem Material und der Wechselwirkung die zwischen Künstler und Kunstwerk entsteht.
So kann die künstlerische Arbeit auch zur selbstverschriebenen Therapie werden. Li inszeniert sich als Verletzter und Heiler zugleich. Das Resultat sind die Spuren der Auseinandersetzung zwischen Künstler und Kunstwerk.
Die Besonderheit der Stickerei als Technik ist dabei, dass jeder Arbeitsschritt stets nachvollziehbar bleibt, das Kunstwerk wird somit zum Zeugen dieser Begegnung. Diese Nachvoll- ziehbarkeit ist für Li wichtig, die Wirkung auf den Betrachter, ist für ihn von essentieller Bedeutung für den Entstehungsprozess des Kunstwerkes.
Auch als Bezug auf die chinesische Tradition ist die Technik der Stickerei interessant. Als Technik der Volkskunst ist sie in der chinesi- schen Tradition fest verankert, noch heute gibt es mehrere Schulen die dieses Handwerk vermitteln. Trotz diesem Bezug auf die chinesi- sche Tradition bleibt Li jedoch stets auf Abstand zu der Tradition der figürlichen Stickerei, die heute noch gelehrt wird und sieht sich persönlich eher in der Tradition europäischer Künstler.
Lis Faszination für alltägliche und handwerkliche Arbeit spiegelt sich auch in seinen anderen Arbeiten wieder. In diesen Installationen, mit alltäglichen Materialien, lässt sich vielleicht auch der Bezug zu dem Düsseldorfer Künstler Joseph Beuys ziehen, den Li als großen Einfluss für sein Werk ansieht.