Galerien
  Künstler
  Städte
  Gutachter
  Ausstellungssuche
 
  Diskussionsforum / Whiteboard
 
   
 
 



Neu auf galerie.de:

Kunstgalerie Klamer (Jens Klamer GmbH)
49324 Melle
[ 20.09.2021 ]

Galerie Maxx
67433 Neustadt
[ 19.09.2021 ]

GrandePaintings
80809 München
[ 28.08.2021 ]

AR Contemporary
90403 Nürnberg
[ 29.07.2021 ]
 
Thomas Rehbein Galerie

Benjamin Houlihan | Victor Stuhl
(06.09.2019 - 05.10.2019)




Galeriedetails
Kontakt:   
 
          Thomas Rehbein Galerie
          Thomas Rehbein
 
          Aachener Straße 5
          50674 Köln
          Deutschland
 
Telefon:   
+49 221 310 1000
Fax:   
+49 221 310 1003
 
E-Mail:   
Kontaktformular
Galerie:   
Link
   


Die Adresse der Ausstellung lautet:
 Thomas Rehbein Galerie
Aachener Straße 5
Tel.:+49 221 310 1000
 50674 Köln

Beschreibung der Ausstellung:
 Dies ist die sechste Einzelausstellung von Benjamin
Houlihan in der Thomas Rehbein Galerie. Der 1975 in
Olpe geborene Künstler erhielt im Mai 2019 den Lothar-
Fischer-Preis. 2020 findet eine umfassende
Einzelausstellung des Preisträgers im Lothar-Fischer
Museum/ Neumarkt statt.


Mitunter wurde die idealtypische Geschlossenheit der
Form in der Kunst brutal aufgebrochen.
Avantgardistische Bewegungen wie Kubismus,
Dadaismus und Surrealismus trieben den Bruch mit
dem herrschenden Kanon und der ästhetischen
Konvention voran, aus dem die befreite, jedoch zugleich
fragmentierte, zersplitterte Form hervorging.

Den jüngsten Werken von Benjamin Houlihan liegt
weniger ein emanzipatorischer, gar provokativer Akt
zugrunde, sondern vielmehr die konzentrierte
Beschäftigung mit Gestaltungsprinzipien und formalen
Möglichkeiten. Die Auseinandersetzung mit den
einstigen Idealen von Einheitlichkeit und
Vollkommenheit, Symmetrie und Schönheit erfolgt
spielerisch und dient dazu, die Brüchigkeit der Form
bzw. Figur in ihrer Vielseitigkeit auszuschöpfen.
Für die in der Ausstellung gezeigten Skulpturen und
Zeichnungen orientiert sich der Künstler am Prinzip des
Klappbilderbuchs, dessen Seiten – versehen mit
Abbildungen von Tieren oder Menschen in typischer
Haltung und Tracht – in einzelne Abschnitte zerteilt sind.
Durch das getrennte Umblättern werden die jeweiligen
Körperpartien der dargestellten Figuren, und damit ihre
distinktiven Merkmale, durchmischt und neu kombiniert.
Schräge, nicht mehr eindeutig identifizierbare
Formfindungen bzw. Mischwesen entstehen.
Entsprechend falzt Houlihan ein Blatt Papier in
gleichgroße Abschnitte, die er umklappt und mit
zeichnerischen Mitteln ausfüllt, wobei diese
uneinheitlichen Setzungen durch eine übergeordnete
Idee von Form oder Figur lose zusammengehalten
werden. In solchen Fällen folgt der Künstler zwar einem
gedanklichen Bild von einem Stuhl, einer Banane,
einem Heizkörper, einem Gesicht oder einer Vase,
jedoch ist die Gliederung der Zeichnung losgelöst von
einem logischen Aufbau der jeweiligen Form/Figur.
Stattdessen ist die Komposition durch die Falttechnik
und damit die Aufteilung in einzelne Felder bestimmt.
Diese Segmentierung bewirkt die Loslösung der
einzelnen untergeordneten Einheiten aus dem
geschlossenen formalen Gesamtzusammenhang, zumal
sich auch der zeichnerische Vorgang in einzelnen,
mitunter zeitlich versetzten, Schritten vollzieht: Der Stift
wird in jedem Abschnitt neu angesetzt, die Linie an der
Knickkante aufgehalten, der Strich kommt zum
plötzlichen Ende. Sprünge entstehen, wodurch das
einheitliche bzw. ganzheitliche Bild unterbrochen wird
und in Formfragmente zerlegt erscheint.
Zur weiteren Verfremdung und fragmentarischen
Anmutung der einzelnen Partien tragen auch die
verwendeten stilistischen Mittel bei. Ein Gesicht ist in
vier Segmente unterteilt, die - obgleich allesamt



zeichnerisch - vollkommen verschiedenartige
künstlerische Darstellungsarten vorführen. Während das
Haupthaar mit sparsam und sorgfältig nebeneinander
gesetzten Strichen in Bleistift gezeichnet ist, sind die
darunter gelagerten Augenhöhlen in tiefschwarzer
Tusche lavierend ausgeführt. Ein Abschnitt weiter stellt
sich die stark abstrahierte Kinnpartie als Netzwerk aus
hellen Kurven dar, umgeben von dichten
Grafitschraffuren. Als zarte, gleichsam angedeutete
Grafitspuren offenbaren sich die Kontur des Halses und
der Ausschnitt eines Rundhalsshirts.
Im abrupten Wechsel zwischen zweidimensionaler und
dreidimensionaler Darstellung koexistieren
divergierende Formauffassungen auf einem Blatt: Rein
grafische Partien treffen übergangslos auf plastisch
modellierte oder auf flächig verdichtete Zonen.
Stuhl, Banane, Heizkörper, Gesicht und Vase
erscheinen durch diese spielerische Kombinatorik
unvereinbarer Gestaltungsweisen, die zwischen
Abstraktion und Figuration changieren, grundsätzlich
uneinheitlich.
Auch die Skulptur einer Banane ist zwar aus einem
Guss, dennoch wurde der Zinnabguss von vier
zusammengesetzten Stücken unterschiedlicher
Bananen gefertigt – allerdings unter Beibehaltung der
natürlichen Ordnung der Abschnitte. Diese vier
gegeneinander verschobenen, verrutschten Teilstücke
sind in einem prekären Balanceakt vereint, slapstickhaft
ringen sie um Gleichgewicht. Mit einem verschmitzten
Augenzwinkern scheint Houlihan bildhauerische
Überlegungen zu Statik und Stabilität, sowie ein
symmetrisches Austarieren zu parodieren.

Zwar fügen sich disparate Elemente in einer Zeichnung
oder Skulptur zusammen, die offensichtliche Brüchigkeit
der Gestalt bleibt jedoch bestehen. Nicht die Summe
ihrer Bestandteile ergibt die Identität der neuen
Kreation, die mit sich keinesfalls identisch sein kann,
besteht sie doch aus einer heterogenen Ansammlung
von Versatzstücken.
Wie bei den hybriden Gestalten der Klappbilderbücher
wohnt auch den bildnerischen Erzeugnissen von
Houlihan eine diskrepante Natur inne. Diese groteske –
an Frankenstein gemahnende – Vielheit wird durch die
forcierte Einheitlichkeit der Gestalt nicht überwunden.
Es geht also hier nicht um die Zerlegung eines
Gegenstands und die Zusammenfügung der Einzelteile
wie bei einem Puzzle, zur Wiederherstellung der
verlorenen Einheit. Hier wird nichts repariert, keine
weichen Übergänge geschaffen, Bruchstellen kaschiert.
Die Dekonstruktion bleibt sichtbar, denn es geht hier
vielmehr darum, den Gegenstand zu verrücken, um ihn
besser zu sehen. Die Unvereinbarkeit der einzelnen
Formabschnitte bedeutet die Veränderung des Blicks –
die Beobachtung des Gegenstands, Abschnitt für
Abschnitt. Während der Betrachtung kippt der
Gegenstand und verschiedene Ansichten und Facetten
kommen zum Vorschein. Ob frontal, seitlich, in Aufsicht,
in Untersicht: Houlihan spielt mit den Dimensionen,
springt zwischen den Blickwinkeln und Perspektiven hin
und her. Letztlich zeigt sich in der Verschiebung der
Wahrnehmung die Verwandlung des dargestellten
Sujets im Auge des Künstlers – und des Betrachters.
(Bettina Haiss, 2019)




Thomas Rehbein Galerie

 
   
Die rechtliche Verantwortlichkeit für den Inhalt der von den einzelnen Galerien bekanntgemachten Internet-Dokumente
liegt ausschließlich bei den jeweiligen Galerien. Online Now! übernimmt keinerlei Haftung für diese Dokumente.
© Priority AG