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19.08.2011 – 18.09.2011

luxplus | Axel Anklam & Jay Shinn

Vernissage: Freitag, 19.08.2011, 19.30 Uhr
Finissage mit Künstlergespräch: Sonntag, 18.09.2011, 19.30 Uhr
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, jeweils 15.00 bis 19.00 Uhr

„Mehr Licht“, das waren nicht nur die letzten überlieferten Worte des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe. „Mehr Licht“ verspricht auch der Titel der Ausstellung mit Arbeiten von Axel Anklam und Jay Shinn im Berliner kunstraum t27. Sind Goethes Worte häufig auf ihren – metaphysischen – Sinn befragt worden, so erschließt sich dieser bei den Kunstwerken rasch: Beide Künstler nutzen Licht als elementaren Faktor ihres schöpferischen Prozesses, als zusätzliche Möglichkeit zur Steigerung des Ausdrucks. Materialien und Zugänge sind dabei unterschiedlich geartet.

Axel Anklam visualisiert in seinen Skulpturen die Energie von Verformungen. Aus der Fläche heraus entwickelt er durch Einschnitte, Ausstülpungen und Deformationen, die wie durch große Hitze oder massivste physische Gewalt erzeugt scheinen, dreidimensionale Strukturen, wobei die Grundform, ein Rechteck oder eine Ringform, rekonstruierbar bleibt. Dabei sind die neu entstehenden Strukturen von einer Dynamik geprägt, die zusätzlich den Zeitfaktor der Entstehung mit in den Prozess des Betrachtens einbinden.
Die von Axel Anklam verwendeten Materialien (Stahl, Latex bzw. Epoxydharze) versinnbildlichen unterschiedliche Grade von Dauerhaftigkeit und Elastizität. Gegenläufige Prinzipien kommen zur Anwendung und erzeugen eine immense Spannung. Ein wichtiges Element der Gestaltung ist zudem die Transluzenz. Die Wirkung der Arbeit ist abhängig von dem Licht, das auf die spiegelnden Oberflächen trifft und entsprechend – teils farbige – Schatten zeichnet. Auch die Erstreckung in die dritte Dimension ist bedeutsam; der scheinbar immer weiter anhaltende Verformungsprozess verweist auf eine kaum zu bändigende Urgewalt der Materie.

Jay Shinn kostet das Spiel mit der dritten Dimension weidlich aus. Zum Erstaunen der Betrachter lässt er mit Hilfe von scharf umrissenen Lichtprojektionen und farbigen Flächen körperhafte Strukturen erstehen, die im Sinne eines Tromp l’oiel imaginäre Räume eröffnen. Schwebende, mathematisch konstruierte und in sich achsen- oder spiegelsymmetrische – aber dabei doch nur in der Fläche ausgeführte – Wandgestaltungen werden dank einer zusätzlichen Beleuchtung zu verblüffend plastischen Erschei-nungen. Solange der Betrachter die Lichtquelle nicht wahrnimmt, scheinen die Arbeiten wie aus sich selbst heraus zu leuchten. Wie ein Hologramm schweben sie im Raum und erzeugen eine verblüffende Plastizität.
Geometrische Präzision und ein rationaler Zugang zur Formgebung verbinden sich hier mit einer subtilen Farbgestaltung. Die zusätzliche Beleuchtung (und Schattierung) der Farbflächen erreicht nicht nur die vollendete perspektivische Täuschung, sondern verleiht den Arbeiten eine geradezu magische Erscheinung.

Harmonie, farblicher Reiz und das Potenzial, Raum zu gestalten – oder zu suggerieren – sind verbindende Elemente der Arbeiten von Axel Anklam und Jay Shinn, die in der Ausstellung zu einem kongenialen Einklang finden. Naturgemäß hängen alle unsere optischen Wahrnehmungen vom Licht ab. Den Werken der beiden Künstler verleiht das Licht aber ein „Mehr“ an Stimmung und Bedeutung: Luxplus!