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27.05.2011 – 03.07.2011

schöner wohnen

Ilka Meyer, Matthias Stuchtey

28. Mai 2011 – 3. Juli 2011
Vernissage: Freitag, 27. Mai, 19.30 Uhr

„Der große Traum vom kleinen Haus“ – standardisierte Architektur auf engem Raum und Wohnausstattung als Komplettsystem macht dies möglich. Private Oasen des Wohlgefühls und der Selbstverwirklichung koexistieren dabei dicht gedrängt und das scheinbar gehobene Wohnen für möglichst wenig Geld basiert auf gewinnmaximierender Massenware, die immer kurzlebiger wird. Produktion und Abfallentstehung rücken zusammen und der Wunsch nach „Wohlstand für alle“ mutiert zur kollektiven Ressourcenverschwendung. „Less is more“ propagieren dagegen die beiden Künstler Ilka Meyer und Matthias Stuchtey, welche sich mit formal reduzierten und raumgreifenden Installationen in dieses Spannungsfeld begeben.

Ilka Meyer arbeitet mit preiswerten Billy-Regalen von IKEA, welche den weltweiten Rekord in der schnellsten Produktion, dem schnellsten Aufbau, den höchsten Verkaufszahlen und der größten internationalen Verbreitung halten. Diese Superlativen persifliert Ilka Meyer mit der Installation einer überdimensioniert langen Billy-Regalwand, welche sich von Wand zu Wand des Ausstellungsraumes erstreckt und diesen somit verbaut. Ist sie angesichts des günstigen Preises dem Kaufrausch verfallen oder hat sie das Angebot von Komplett-Lösungen für Wohnräume falsch verstanden? Die ungefüllten Regale mit eher gestalterisch als praktisch angeordneten Zwischenböden lassen auf ein transformatorisches Kunstobjekt schließen, das neue Blicke öffnet. Unbezwingbar erweist sich dabei die Wiedererkennung der Marke IKEA.

Matthias Stuchtey recycelt Materialen aus Sperrmüllprovenienz für den Neubau von Behausungen. Seine Serie „Schmarotzer“ zeigt Einraumhäuser, die sich wucherungsartig um Metallverstrebungen gruppieren. Diese in luftiger Höhe angesiedelten architektonischen Gebilde erinnern an Vogelhäuschen, zeigen aber auch Analogien zum sozialen Wohnungsbau der 60er und 70er Jahre auf. Dicht gedrängt, überlagert und verschränkt evozieren die gleichförmigen Wohnzellen das beengte Leben in bevölkerungsreichen Städten mit dem damit einhergehenden Bedürfnis nach Privatsphäre. Die kleinen Öffnungen, welche einen Innenraum körperlich erfahrbar machen, ohne aber einen Zutritt zu gewähren, verweisen daher auf Schutzräume wie Facetten des individuellen Bewusstseins und geben der Notwendigkeit der „dritten Haut“ eine aktuelle Bedeutungsebene.

Sonntag, 03. Juli 2011, 19.30 Uhr
Finissage mit Künstlergespräch und Auslosung der Kunstlotterie