Life is a Stage
Mit einer unglaublichen Direktheit konfrontiert der junge, südkoreanische Künstler Jun Ho Cho den Betrachter mit seinen fantastischen und fantasievollen Menschenbildnissen, die nun zum zweiten Mal in der Galerie Michael Nolte präsentiert werden. Dabei ist das Faszinierende seiner Kunst die hohe künstlerische Individualität. Durch eine völlig neuartige Darstellungsart seiner Sujets hat sich Jun Ho Cho damit eine einzigartige Bildsprache und Bildästhetik erarbeitet. Seine Werke entfalten einen magischen Kosmos, der eine mythische Aura – rätselhaft und unerklärbar – ausstrahlt.
Oftmals wirken die Personen als wären sie verkleidet. Maskenähnlich sind ihre Gesichter, die wie im koreanischen Theater weiß geschminkt sind. Das Leben erscheint als Bühne, auf der Cho seinen Figuren die ihnen zugedachte Rolle spielen lässt. Diese Rolle wird inspiriert von der Welt der Sagen und Märchen oder der Mythologien und Religionen, aber auch von den menschlichen Typisierungen der Zeitschriften und südkoreanischen Manhwas. Doch genauso viel fließt vom Charakter und von der eigenen, kulturell geprägten Vorstellungswelt des Künstlers in ihr ein. Wie Marionetten führt Cho seine Figuren und lässt sie „das Leben spielen, welches er in seiner Malerei durchlebt“ (Jun Ho Cho). Aus diesem spannungsvollen Konstrukt schafft Cho seine einzigartigen und fantastischen Figuren, die in sich die Fantasiewelten mit den Menschen unserer heutigen Gesellschaft, ihren Ängsten, Sorgen und Identitätsfragen verkörpern. Die Bildnisse werden zu Gleichnissen der Vorherbestimmtheit allen menschlichen Lebens und damit der Schicksalhaftigkeit menschlicher Existenz.