galerie.de
← Ausstellungen
18.09.2026 – 16.10.2026

Archäologie der Fotografie / REDEFINITION

Jerzy Lewczyński / Zbigniew Libera / Nikita Kadan / Romuald Kutera / Krystian Zoszczuk

Jedes Foto drückt ein anderes aus, welches wiederum vom nächsten ausgedrückt wird. So entsteht eine Reihe von Erscheinungen, die wir die Welt der Fotografie nennen. Auf dieser Reise durch Bilderserien, vor einem Foto stehend, begegnen wir dem Unergründlichen und können uns fragen: Was drückt das Foto aus? Sind es unsere Erinnerungen, die Dinge selbst oder vielleicht die Vorstellungen, die wir von der Realität haben? Jedes Foto, obwohl es Zeugnis des Unaussprechlichen ist und Zweifel an dem aufkommen lässt, was wir sehen, regt uns dazu an zu fragen: Wo stehen wir? Im Mai 1979 definierte Jerzy Lewczyński in Gliwice, Schlesien, in seinem Manifest die Archäologie der Fotografie: „Ich bezeichne als Archäologie der Fotografie jene Tätigkeiten, deren Ziel es ist, Ereignisse, Fakten und Situationen der Vergangenheit, der sogenannten fotografischen Vergangenheit, zu entdecken, zu untersuchen und zu kommentieren.“ Die Ausstellung im Kunstkonsulat versteht sich als einzigartige Abhandlung über die Methode des Lesens von Fotografien. Jede Methode muss sich jedoch im Laufe der Zeit bewähren. Die Archäologie der Fotografie ist in diesem Fall nicht nur eine Methode der Bildforschung, sondern auch eine kreative Praxis, deren Erzählungen im neuen Kontext einer Zivilisation im rasanten Wandel – sozialer, politischer und künstlerischer Art – entstehen. Der Betrachter muss vor einem Foto immer wieder seinen Standpunkt neu definieren. Daher die Notwendigkeit, jede Methode des Lesens von Bildern neu zu definieren.
Und genau darum geht es in der Ausstellung im Kunstkonsulat. Die Ausstellung präsentiert erstmals das Originaldokument von Jerzy Lewczyńskis Manifest zur Archäologie der Fotografie. Kurator: Rafał Lewandowski

JERZY LEWCZYŃSKI war einer der bedeutendsten und einflussreichsten polnischen Fotografen, Kritiker und Journalisten des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem als Begründer und Theoretiker des wegweisenden Konzepts der „Archäologie der Fotografie“. Sein Werk erlangte insbesondere im Kontext der historischen und dokumentarischen Fotografie Anerkennung. Das bedeutendste internationale Ereignis mit Lewczyński war die große Präsentation zeitgenössischer polnischer Fotografie im International Center of Photography in New York im Jahr 1979. Diese Ausstellung festigte die Position polnischer Künstler als originelle Experimentatoren in der globalen Kunstszene während des Kalten Krieges.

ZBIGNIEW LIBERA zählt zu den wichtigsten und einflussreichsten zeitgenössischen Künstlern Polens. Er gilt als Pionier und führender Vertreter der sogenannten kritischen Kunst in Polen. Sein facettenreiches Werk umfasst Fotografie, Videoinstallation, Performance sowie Objekt- und Installationskunst. Zbigniew Libera kann auf eine umfangreiche Ausstellungsgeschichte im Ausland zurückblicken, die über 270 Gruppenausstellungen und zahlreiche Einzelausstellungen in den wichtigsten Kunstinstitutionen der Welt umfasst. Die Werke von Zbigniew Libera gehören heute zum Kanon der zeitgenössischen Kunst und sind in den Sammlungen führender Museen vertreten, darunter das Museum für Moderne Kunst in Warschau, das Ludwig Museum in Budapest, das Museum für Zeitgenössische Kunst in Chicago und das Jüdische Museum in New York.

NIKITA KADAN zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern der Ukraine. In seiner interdisziplinären Praxis verbindet er Kunst mit gesellschaftlichem Engagement und arbeitet mit Architekten, Soziologen und Menschenrechtsaktivisten zusammen. Seine Arbeiten genießen internationale Anerkennung, was sich in seiner regelmäßigen Aufnahme in Listen der einflussreichsten Künstler weltweit (darunter die renommierte ArtReview Power 100) widerspiegelt. Kadan hat die Ukraine bereits mehrfach auf der Biennale von Venedig vertreten (unter anderem 2015, 2022 und 2024). Er hat seine Werke in bedeutenden europäischen Kulturinstitutionen ausgestellt, darunter das Mumok in Wien, das Museum für Moderne Kunst in Warschau und das Castello di Rivoli in Turin.

ROMUALD KUTERA war ein bedeutender polnischer Konzeptkünstler, Fotograf, Videokünstler und Kurator. Er wurde zu einer Schlüsselfigur der Breslauer Neo-Avantgarde der 1970er Jahre. Gemeinsam mit Anna Kutera leitete er die legendäre Galeria Sztuki Renowej (Galerie Neueste Kunst). Dort entwickelte er seine eigene Theorie der Kontextuellen Kunst, die das Verhältnis zwischen Werk, Betrachter und dem kreativen Prozess selbst untersuchte. Romuald Kuteras Werk erlangte in den 1970er Jahren internationale Anerkennung und führte zu zahlreichen Ausstellungen im Ausland, unter anderem in wichtigen Avantgarde-Zentren wie Schweden, Argentinien und Kanada. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen renommierter Institutionen wie dem Kunstmuseum in Łódź und dem Museum für Moderne Kunst in Warschau.

KRYSTIAN ZOSZCZUK werk geht über traditionelle Auffassungen von Bild und Fotografie hinaus und konzentriert sich auf innovative visuelle Erkundungen und konzeptuelle Projekte. Krystian Zoszczuk ist Träger des renommierten Stadtfotopreises Dresden und erhielt eine lobende Erwähnung des Sachsischen Fotoverbands Leipzig. Er präsentierte seine Arbeiten unter anderem in der PF Gallery im Rahmen einer vom Neuen Berliner Kunstverein kuratierten Ausstellung, die die wichtigsten Phänomene der zeitgenössischen Fotografie beleuchtete. Er nahm an der Ausstellung „Anthologie Polnischer Fotografie / Exquisites Korps Polnischer Fotografie“ im Rahmen des TiFF 2015 Polska Now! teil. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Forum für Fotografie in Łódź, im Dokumentar- und Spielfilmstudio (WFDiF) des Studio F7 in Warschau, im WL4 Kunstraum in Danzig und in den Ringgalerien in Leipzig ausgestellt.