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28.04.2022 – 25.06.2022

Untitled Women

Persons Projects ist stolz, die neuesten Werke aus Milja Laurilas Serie Untitled Women
zu präsentieren, die aktuelle feministische Sichtweisen nutzt, um weibliche Rollenbilder
und männliche Aneignungspraktiken der Vergangenheit kritisch zu hinterfragen.

Das Buch mit dem Titel Frau. Ein historisches gynäkologisches und anthropologisches
Kompendium dient dabei als Ausgangspunkt für Laurilas Arbeit. 1885 in deutscher
Sprache erschienen und von drei Männern verfasst, ist das Werk mit mehreren
Hundert Fotografien nackter Frauen und Kinder illustriert, die größtenteils aus
kolonialisierten Ländern stammen. Wie so üblich für den ethnografischen Ansatz
dieser Art Publikationen, die mit ihrer Mischung aus Anthropologie, Rassismus und
Sexismus ein unangenehmes Seherlebnis kreieren, werden die Frauen als ,exotische’,
stimmlose Ansitzexemplare inszeniert. Dem Blick des sexuellen männlichen Begehrens
ausgesetzt, werden sie – unter dem Deckmantel der legitimen wissenschaftlichen
Untersuchung und rein objektiven Betrachtung – entblößt und würdelos zur Schau
gestellt.

Anstatt dieses beschämende Stück Menschheitsgeschichte in der Vergangenheit
verbleiben zu lassen, bringt Laurila das Buch zurück und setzt es in einen Dialog mit
aktuellen feministischen Positionen. Durch das Wiederverwenden der Fotografien
gelingt es der Künstlerin, die Sehgewohnheiten der 1930er Jahre zu invertieren,
die auf der binär-hierarchischen Geschlechtertrennung beruhen. Die ursprüngliche
Perspektive – dass allein Männer die Macht haben, auf Frauen zu blicken, Frauen
aber nur das Subjekt sein können – wird damit negiert: Laurila verwendet hierfür ein
durchscheinendes Papier, um das ‚wissenschaftliche‘ Foto zu kaschieren, sodass nur
noch die Augen sichtbar sind, der Körper hingegen bedeckt bleibt. Damit können sich
die Betrachtenden nicht nur in die Lage der Frauen versetzen, sie werden vielmehr
dazu gezwungen, über die Frage zu reflektieren: „Wie fühlt es sich an, beobachtet zu
werden?“.