galerie.de
← Ausstellungen
29.10.2021 – 15.01.2022

Among Other Things

Persons Projects ist stolz, die erste Einzelausstellung des Künstlers Karl Ketamo, Among Other Things, präsentieren zu können. Inspiriert von Walter Benjamins Essay Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1935), befragt Ketamo in seinen Werken die Relation zwischen Massenproduktion und der Exklusivität von einzelnen Produkten, die in einen künstlerischen Kontext gesetzt werden. Ketamo verfolgt in seinen Arbeiten einen interdisziplinären Ansatz. Für seine Installationen und Ausstellungen verwendet er gleichermaßen Fotografie, Videoarbeiten und Plastiken. Dabei setzt Ketamo vor allem alltägliche Gegenstände in den Fokus, um unsere Sichtweise und damit die symbolische Bedeutung dieser Objekte in der heutigen Gesellschaft in eine andere Richtung zu lenken. Der Vorgang dieser neuen Kontextualisierung wird ausführlich in Ketamos limitierten Leporello Landscapes of Authority (2016) demonstriert. In der gezeigten gleichnamigen Serie verwendet der Künstler vergrößerte Ausschnitte von Pässen, im Speziellen die darin abgedruckten Miniaturansichten von Landschaften. Dass der reine Besitz eines solchen Ausweisdokuments noch lange nicht allen Menschen gleichermaßen die Grenzen öffnet und das Reisen ermöglicht, ist nur ein Aspekt, den Ketamo damit anregt.

In der Ausstellung präsentiert Ketamo Werke aus seiner Serie Royals (2019), in denen er britische Briefmarkenmotive neuinterpretiert. Es handelt sich dabei um eine Profilansicht von Queen Elisabeth II des britischen Künstlers Arnold Machin, das als eines der meist reproduzierten Kunstwerke der Welt gilt. Das Verwenden bzw. Recyceln von gefundenen Bildern und Objekten ist allerdings nur der Beginn von Ketamos Arbeit. Das Hauptaugenmerk liegt vielmehr auf dem Bedeutungswandel, den die Bildgegenstände durch seine künstlerische Bearbeitung durchlaufen. Ketamos Arbeitsweise hebt sein spezifisches Interesse an Materialität deutlich hervor. Egal ob es sich um Postkarten oder ganze Asphaltstücke handelt, Ketamo greift auf eine Vielzahl an gefundenen Objekten zurück. Durch seine künstlerische Bearbeitung schafft er für die Betrachtenden einen visuellen Zugang und lädt dazu ein, seine Werke mit eigenen Assoziationen und Erinnerungen in Verbindung zu setzen. So werden zum Beispiel bei der Installation (Un)finished (2019) umweltschädigende Ölkanister aus Plastik zu Gussformen für Skulpturen umfunktioniert, die gleichermaßen auf die Gefahr von Umweltverschmutzung verweisen und ein Bewusstsein für die Rolle des Menschen im globalen Ökosystem wecken. Ketamos Werke regen somit nicht nur eine neue Sichtweise auf maschinell produzierte Alltagsgegenstände an, sondern hinterfragen die Bedeutung von Material in Hinblick auf eine zukunftsgewandte und umweltfreundliche gesellschaftliche Entwicklung.

Karl Ketamo absolvierte 2016 seinen Bachelor of Arts im Bereich Fotografie an der Royal Academy of Arts in The Hague, Niederlande. 2020 schloss er seinen Masterabschluss in Fotografie an der Aalto University School of Arts, Design, and Architecture ab. Ketamo konnte bisher einige internationale Ausstellungsbeteiligungen verzeichnen, unter anderem am Eye Film Institute in Amsterdam, dem Repräsentantenhaus im Niederländischen Parlaments in Den Haag, dem Photoville Fotografie-Festival in New York, dem finnischen Museum der Fotografie und der Galerie Hyppolyte in Helsinki.