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21.11.2020 – 27.02.2021

Mikko Rikala | Paradigms of Chance

Wir freuen uns sehr, Mikko Rikalas zweite Einzelausstellung
"Paradigms of Chance" bei Persons Projects präsentieren
zu dürfen. Sie setzt seine Studien zu den Konzepten von
Raum und Zeit fort, welche sowohl aus philosophischen als
auch naturwissenschaftlichen Gedanken und Praktiken
hervorgehen.

Die umfangreichste Werkgruppe der Ausstellung, "A Year in
My Pocket", zeigt Fotografien, die Rikala über vier
Jahreszeiten hinweg an bestimmten Orten des finnischen
Archipels aufgenommen hat, wobei er sich auf den Zustand
des Wasser im Verlauf der saisonalen Zyklen konzentrierte.

Anschließend druckte er für jede Jahreszeit eine Fotografie,
faltete sie, steckte sie in seine Hosentasche und trug sie
drei Monate lang bei sich. Gelegentlich holte er den Abzug
hervor, um dessen Verwandlung und seinen Zustand zu
dokumentieren, nur um ihn dann wieder einzustecken. Wie
die Erinnerungen, die wir in unseren Köpfen tragen, wurde
auch das Bild im Laufe der Zeit durch den alltäglichen
Gebrauch und das Transportieren verändert.

Mikko Rikala ist ein Künstler, der den fotografischen
Prozess als Werkzeug zum Sammeln und Aufzeichnen von
Materialien verwendet. Sein philosophisches Streben will
ergründen, was sich hinter dem rationalen Selbst verbirgt
und sein künstlerischer Ansatz ist ein Weg, auf dem er
dieser Frage nachgehen kann. Rikala sagt: „Ich versuche
die Beziehung zwischen dem, was als rational angesehen
und dem, was als irrational wahrgenommen wird, zu
enthüllen.“
Seine Arbeit ist eine Reflexion, die mystische und
philosophische Gedanken durch den empirischen Prozess
der Beobachtung miteinander verbindet. Im Gegensatz zu
seinen bisherigen Werken, bei denen er den fotografischen
Prozess nutzte, um das Vorher-Nachher festzuhalten,
fokussieren sich die neuen Arbeiten auf jene Mysterien, die
unterhalb des Unsichtbaren liegen. Er fragt: „Was sind die
Möglichkeiten für einen Menschen, die Welt jenseits des
rationalen Verstandes hinaus zu betrachten und zu
verstehen?“
Rikala benutzt seine Kamera als Kontrollinstrument durch
den meditativen Akt des Beobachtens. Er überträgt
medizinische auf philosophische Aspekte, die der
physischen Dimension eines Objekts – sei es eine Pflanze,
ein Stein oder ein Bienenstock – innewohnen. Er kreiert
visuelle Dichotomien, die gegensätzliche Weltansichten
kontrastieren – wie wir mit der Natur im Einklang leben
sollten, im Widerspruch zur Verwendung von Technologie
als Werkzeug, um sie zu überwältigen.

Die Werke dieser Ausstellung versuchen uns daran zu
erinnern, dass wir uns an jene wesentlichen Qualitäten
erinnern müssen, die in der natürlichen Welt jenseits ihrer
wissenschaftlichen Definitionen und in unserem kollektiven
Gedächtnis liegen. In Rikalas Welt ist ein Quarzstein nicht
nur eine kristalline Mineralverbindung – viel mehr ein
Talisman, der Emotionen kanalisiert, Ruhe und Heilung
einleitet oder Gedanken reinigt. Gemeinsam schlagen diese
Arbeiten die psychologische Brücke zum (Un-)Bewussten,
indem unsere Umgebung durch eine mystische Linse
beäugt wird, die auf angeborenen Empfindungen beruht:
„Mein künstlerischer Ansatz übt Methoden der ‚meditativen
Repetition‘, der Strukturierung, Anordnung sowie
Auflösung aus; ich stelle prozessuale, relative Bewegungen
linearer und zirkulärer Zeit systematisch nebeneinander
und zerlege sie. Strukturen des Zerfalls und der
Zersetzung, als elementare Themen meiner Werke, sind
für mich Indikatoren des unvermeidlichen, fortschreitenden
Vergehens der Zeit. Sie sind aber ebenso
Übergangsphänomene wiederkehrender, sich selbst
erneuernder Charaktere als Sinnbilder des zyklischen und
dazwischenliegenden Zeitablaufs. Die visuellen Motive
entnehme ich der natürlichen wie auch der künstlichen, in
diesem Sinne der physisch erbauten oder konzeptionellen
Welt. Sie koexistieren als Fragmente ohne strukturelle
Hierarchie."