Joana Kohen: To The Infected Audience,
BERLINARTPROJECTS freut sich, das Werk der jungen türkischen Künstlerin Joana Kohen in ihrer ersten Berliner Soloausstellung zu zeigen. To The Infected Audience, umfasst fast ausschließlich Arbeiten, die dieses Jahr produziert worden sind, und fungiert daher als aktueller Schnappschuss von Kohens künstlerischen Praxis, in der sie den eigenen Körper einsetzt, um aktuelle Fragestellungen zu untersuchen.
Kohens durchdringende Arbeiten setzen sich mit digitalem Narzissmus und dem Kult des Individuums, dem Selbstbild und den Schönheitsmythos auseinander. Werke wie Free Transform und Look Of Now thematisieren die Alltäglichkeit von Photoshop-Retuschen sowie die Hypervisualität der Post-
Internet-Generation, die der Titel womöglich anspricht, und spielen mit Perspektiven, mit Betrachter und Betrachtetem.
In Anspielung auf die Fragmentation des Selbst und die Zuschneidfunktionen von Bildbearbeitungssoftware spaltet Kohen ihren Körper in mehreren Teilen und schneidet individuelle Gesichtszüge heraus in Arbeiten wie Piece Of Me,
As You Wanted Me To Be und Life for Rent. Dieser selbe Impuls leitet sie dazu, einzelne Werke in Triptychon-
Formationen aufzuteilen in einer Vervielfachung von Motiven.
Ein Gefühl von symbolischer Gewalt, nicht vom digitalen Zuschneiden, sondern tatsächlich von körperlichem Schneiden, durchdringt Kohens abstraktere Arbeiten.
Playground ist die jüngste in einer Reihe von vergoldeten Arbeiten, zu denen Käfige mit angeketteten Chokern und ein Objekt, das nahtlos einen Kamm mit einem Messer verbindet, ebenfalls gehören. Die Schaukel besteht ausschließlich aus Stacheldraht und kann somit nicht benutzt werden. Sie zieht den Betrachter an und droht gleichzeitig ihn die Haut zu zerreißen. Genau wie Kohens Käfige ohne Eingang verweigert Playground seine ursprüngliche Funktion aus glitzerndem Protest. Gleichermaßen wirft die Künstlerin in Future Female Part II, Re-Amazon Edit einen Speer wobei das Ziel und der Aufprall weder gesehen noch gehört werden. Neben der dreiteiligen Videoarbeit hängt die goldbestückte und gefährlich aussehende Waffe.
Von ihren frühen Bildern von in klebrig schwarze Flüssigkeit getauchten Schwangerschaftstests und Männerunterwäsche bis hin zu den präsentierten Arbeiten engagiert sich Kohen deutlich im Gender-Diskurs und im Fetischismus. Wie die Künstlerin selber sagt, „Ich will Leute durch meine Objekte aufwachen, was etwas brutal herüberkommen kann“. Sei es durch eine metaphorische Zerstückelung ihres eigenen Körpers oder durch das Vergolden von Stacheldraht wählt Kohen einen zerstörerischen Ansatz für ihre Kunst, um den Betrachter zu aktivieren und sich mit den Tücken der digitalen Transformation auseinanderzusetzen.
Kohen wurde 1988 geboren. Sie lebt und arbeitet in Istanbul wo sie die Un-Known Art Initiative gegründete – zugleich Kunstraum und Herausgeber des Un-Known/zine sowie Prospektus Artist’s Books. Kohen hat Textildesign und bildende Kunst am Istituto Marangoni, Milan, und bei der Royal Academy of Fine Arts Antwerp studiert. Sie stellt häufig in der Türkei aus und ihre Arbeiten waren dieses Jahr in der Benetton Foundation Art Collection, Treviso, Italy, und in der Abrazo Interno Gallery, New York, zu sehen. Kohen hat auch an mehreren internationalen Kunstmessen teilgenommen, darunter Contemporary Istanbul, Spectrum Miami Contemporary und Contra London.