Wieland Payer - Waldstaub
Aber schön ist auch die Zeit des Erwachens, wenn man nur zur Unzeit uns nicht weckt.
Hölderlin
Payers Pastelle bekennen sich zu jener Krise des Bildbegriffs, die sich im gestörten Verhältnis zwischen dem Bild der Natur und der Natur des Bildes ausspricht. Dass Bilder Konstruktionen von Welt sind, durchzieht als Gewissheit alle Epochen, sonst gäbe es keine Stilgeschichte. Das zu würdigen und zu kategorisieren, arbeiten sich die Kunsthistoriker seit 200 Jahren ab. Konstruieren jedoch zum alleinigen Gegenstand der Kunst zu machen, ist das Ermächtigungsgesetz der Moderne.
Wieland Payer, der studierte, als dies alles schon Konsens war, wandert statt durch Landschaften durch die Kunstgeschichte wie durch ein Depot, ohne die Not, sich irgendwie legitimieren oder rechtfertigen zu müssen. Er entnimmt ihr, was er an Bildrequisiten braucht, um raffinierte Stimmungskulissen hinzuzaubern, auf die wir erwartungsgemäß reagieren. Als brillanter Zeichner baut er eine Sphäre der Überwältigung, des schönen Scheins und der Traumseligkeit auf. Sie zieht den Betrachter magisch an, bis er erwacht. Und wenn Hölderlin darum bittet, nur möglichst nicht zur Unzeit geweckt zu werden, könnte man sagen, dass Payer seine Bilder genau für diese Unzeit macht.
Michael Freitag
Zur Eröffnung mit Wieland Payer am Freitag, 24. Juni von 19 bis 21 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.
Es erscheint ein Katalog mit einem Text von Michael Freitag, den wir mit einer Lesung präsentieren.
Vom 10. Juni bis zum 28. August 2016 stellt Wieland Payer im Angermuseum Erfurt, im Herbst 2016 im Leonhardi-
Museum Dresden aus.
Vom 2. August bis 3. September befindet unsere Galerie sich im Sommermodus und öffnet Ihnen nach Vereinbarung.