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13.04.2016 – 13.04.2016

Facing the Future - Malerei • Zeichnung • Photographie

FACING THE FUTURE vereint zehn internationale
künstlerische Positionen, deren jede einen besonderen Blick
auf die Welt oder in die Zukunft reflektiert – optimistisch oder
düster, realistisch oder sarkastisch, persönlich-privat oder
auch explizit gesellschaftskritisch, im Blick zurück auf die
Geschichte oder analytisch hart auf die Gegenwart
konzentriert.

Die Zeichnungen der niederländischen Künstlerin Irina Birger
mit ihren kunstvoll arrangierten, wie ziseliert ausgearbeiteten
Signalwörtern legen nahe, dass sie ihren eigenen
Gemütszustand, eine momentane Einstellung anspricht,
zumal die Serie, zu der sie gehören, den Titel Irina Birger
Says trägt.

Der Kosmos des Kubaners Yorjander Capetillo Hernández ist
surreal, seine Malereien gleichen einer Folge von
Theaterszenerien, die zwar keinem identifizierbaren Stück
zuzuordnen sind, allerdings viel mit den absurden Dramen
der Conditio humana zu tun haben, damit, wie politische
Erfahrungen menschliche Situationen prägen.

Der portugiesische Maler Gil Heitor Cortesão zeigt Räume
einer Welt, die im Verborgenen liegt und aufgegeben scheint.

Die melancholische Atmosphäre seiner Bilder verweist auf
eine vergangene Epoche, die noch gar nicht so lange
zurückliegt, eine Zeit, die heute der klassischen Moderne
zugeordnet und wiederentdeckt wird.

Wie durch ein Brennglas und in wohlkomponierten
Ausschnitten schaut der japanische Fotokünstler Satoshi
Fujiwara auf unsere Gegenwart, auf die gewalttätige Realität
politischer Kämpfe. Fast plastisch tritt jedes Detail hervor,
jedes noch so kleines Körnchen Materie wirkt greifbar.

Gnadenlos stellt auch der französische Maler und Zeichner
Philippe Huart die Brutalität einer sich immer wieder
aufdrängenden Wirklichkeit dar, die wir meist nur aus den
Nachrichten – oder aus Alpträumen – kennen und gerne
schnell vergessen und verdrängen.

Heiter, luftig und optimistisch wirkt hingegen die neue
großformatige Fotoarbeit von LawickMüller. Das Künstlerpaar
Friederike von Lawick und Hans Müller sieht ein buchstäblich
überirdisches, betriebsames Berlin, über dem sich ein
strahlend blauer Himmel wölbt.

Der koreanische Künstler Daecheon Lee verbindet in seinen in
zarten Farben vibrierenden Gemälden virtuos Traditionen
asiatischer Landschaftsmalerei mit zeitgenössischer
Bildgestaltung und Elementen der Gegenwart, die oft erst auf
den zweiten Blick zu erkennen sind und bedrohlich
erscheinen. Ob in Andeutungen zur Umweltzerstörung oder
im Aufblitzen kriegerischer Akte – die Idylle zeigt Brüche.

Wolfgang Neumann ist bekannt für seinen sarkastischen oder
ironischen Blick auf unsere von medialen Bildern überwältigte
Gegenwart, die er malerisch oder zeichnerisch und mit
untergründigem Witz so gut in den Griff bekommt und auf
den Punkt bringt. Doch auch er muss manchmal innehalten
und durchatmen: Je pense – Ich denke nach, steht auf einer
seiner beiden neuen Leinwände zu lesen.

Die Protagonisten in den Bildern der russisch-deutschen
Fotokünstlerin Alisa Resnik tauchen, als seien sie auf der
Suche oder verirrt, aus dem Dunkel der Nacht auf oder sie
sind im Begriff, darin zu verschwinden. Auch die verlassenen
Orte, die leeren, verlebten Räume dieser nächtlichen Welt,
atmen eine düstere Poesie.

Joachim Seinfeld hat ein versunkenes Berlin entdeckt und
Relikte der Vergangenheit dieser Stadt nicht nur vor achtloser
Zerstörung bewahrt, er hat sie auch neu belebt – mit
Erinnerungen an Menschen, die, längst vergessen, mit einem
Mal geisterhaft als Bild aufscheinen. Auf Wandabnahmen aus
Berliner Mietshäusern der Gründerzeit, hat er mit
Fotoemulsion private Aufnahmen von Personen appliziert, die
zu jener Zeit, da die Häuser entstanden, in den Straßen
Berlins wohnten.

Der Titel der Ausstellung, FACING THE FUTURE – DER
ZUKUNFT ZUGEWANDT, kann durchaus auch in einem zweiten
Sinne verstanden werden: als Hinweis auf Kommendes.

Sechs der zehn Künstler präsentieren wir zum ersten und
sicher nicht zum letzten Mal in unserer Galerie.