Wonkun Jun: Jenseits der Logik
Vernissage: 23. Januar 2015, 19h
Der Künstler ist anwesend.
„Jenseits“ ist etwa seit Beginn der Moderne in Deutschland ein geläufiger Begriff zur Bezeichnung einer „anderen Wirklichkeit“, der nicht im naturwissenschaft-lichen Sinne als „Daseinszustand“ bezeichnet werden kann. Mit „Jenseits“ werden oft unzugängliche, übernatürliche Orte beschrieben, in manchen Lehren auch das innere des Menschen, die Seele. Damit wird die räumliche Vorstellung ergänzt oder ersetzt.
Der Begriff „Logik“ kommt aus dem altgriechischen, in der Bedeutung als „denkende Kunst“ oder „Vorgehensweise“. Aber auch als die „Lehre von Argumentation“ und der „vernünftigen Schlussfolgerung“.
In seiner zweiten Solo Show in der Galerie präsentiert cubus-m neuste Arbeiten des Südkoreanischen Künstlers Wonkun Jun. Die Arbeiten zeigen komplexe und vielschichtige Farbräume und führen uns dabei in eine „andere Wirklichkeit“. Aber ist diese „andere Wirklichkeit“ tatsächlich so anders, ein Ort jenseits der Logik? Betrachtet man die Entstehung der Arbeiten, so fällt die ganz unverklärte, rationale Herangehensweise des Künstlers auf, ein Bewusstseinszustand, der beim Schaffensprozess für Wonkun von besonderer Bedeutung ist: „Ich muss immer sehr klar und konzentriert beim Malen sein um den Moment der Distanzschaffung zu erzielen...“.
Für ihn ist der Moment der Bildfindung also ein sehr durchdachter, logischer Akt, bei dem die Leinwände atmosphärisch dicht mit Acrylfarben bearbeitet werden. In bis zu 30 dünn aufgetragen Lagen schichtet er die Farben übereinander, um diese dann in einem speziellen Prozess großflächig oder Stellenweise wieder abzuwaschen (die Spuren dieses Prozesses bleiben als Spuren an den Seiten der Leinwände sichtbar). Schicht um Schicht baut Wonkun so seine Gemälde auf, bis eine ganz einzigartige „andere Wirklichkeit“ zeigt. Durch den speziellen Arbeitsprozess entstehen Strukturen und Oberflächen, welche eine fragile Materie aufscheinen lassen. Vorder- und Hintergrund scheinen sich in der Energie der Werke aufzulösen.
Seine Arbeiten sind somit auch Schichtungen von Gedanken und Empfindungen, die der Künstler erforscht. Sie bestechen durch die komplexe Komposition von Farbe und Form, wodurch auch die kleinen Formate eine spannungsvolle, beinahe monumentale Wirkung erzielen.
In dem Spannungsfeld zwischen den formalen und ästhetischen Fragen, die Wonkun Jun behandelt, und der Sinnlichkeit und visuellen Kraft seines künstlerischen Ausdrucks, gewinnt seine Malerei ihre besondere Qualität - das Jenseitige der Logik.
Wonkun Jun, 1970 in Seoul geboren, lebt und arbeitet in Düsseldorf. An den Kunsthochschulen in Seoul und Braunschweig studierte er Freie Malerei. Unter Prof. Helmut Federle wurde Wonkun Jun zum Meisterschüler in der Kunst-akademie Düsseldorf ernannt. Die Arbeiten von Wonkun Jun wurden in vielen Institutionen und Galerien im In- und Ausland zeigt. So zum Beispiel im Museum Kunstpalast Düsseldorf, in Hamburg, Köln, Schweiz, den Niederlanden, Südkorea, im Mark Rothko Art Center in Lettland.
Wir freuen uns, Ihnen die neusten Arbeiten von Wonkun Jun bis zum 7. März 2015 bei cubus-m in Berlin zeigen zu können.