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15.03.2014 – 19.04.2014

Mara Diener - Extended Walk

Mara Diener – Extended Walk
Extended Walk – der Ausstellungstitel ist weniger Programm
als Assoziationsraum: die Idee des strengen Marsches stellt
nur den impliziten Subtext der Ausstellung dar. Vielmehr
steht im Raum die Frage nach der Organisation der Welt und
damit automatisch auch nach Machtstrukturen.

Die Zeichnungen, Malereien, Installationen und Animationen
bleiben im Vagen und ein bestimmter Marsch durch die
Ausstellung ist für den Besucher unmöglich. Die räumliche
Gesamtkomposition von Mara Diener in der Galerie cubus-m
ist vielmehr ein Angebot, konventionelle Wege zu verlassen
und etwas über die eigenen Grenzen hinaus zu erfahren.

Großformatige, auf langen Papierrollen sich endlos
ausdehnende Graphit-Zeichnungen hängen wie
Propagandafahnen der Geschichte an der Wand oder sind
zufällig am Boden angeordnet. Sie bilden wolkige, fast
naturhaft anmutende Universen ab. Die Extension im Raum
wird hier besonders augenscheinlich: die Motive lassen keine
Konturen mehr zu und sprengen die Bildgrenzen. Sie tragen
mit Tusche aufgetragene kryptische Zeichen, Algorithmen,
Codes, die jedoch weder die abgebildeten Gegenstände
vereindeutigen noch als Strukturen 'lesbar' machen. Das
Flüchtige, Zarte der Zeichnungen bedarf schwerer
Belastungskörper, um die Exploded Drawings am Boden
festzuhalten.

Die Malereien präsentieren Neuordnungen als Utopie, ohne
ordnendes Subjekt und fassbare Dinge, letztlich als Leerstelle
und blinder Fleck im System. Dieser wird auch durch
mögliche Identifikationsfiguren oder erzählerische Momente
nicht aufgelöst. Die versprochene Neuordnung der Welt
entlarvt sich selbst als totalitärer Erklärungsversuch.

Mara Dieners Werke zeigen dekonstruierte Dingwelten, der
die Farbigkeit fast vollständig entzogen wurde,
unabgeschlossene, prozesshafte und abstrakte Darstellungen,
die zwar nicht mehr auf eine uns bekannte Welt verweisen,
aber doch in der Andeutung Referenzen hervorrufen. Sie
versuchen letztlich, Denkmuster zu visualisieren, die den
Betrachter herausfordern, eigene Erfahrungen damit
abzugleichen und nachzuspüren.

Isolde Nagel