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11.10.2013 – 23.11.2013

René Schoemakers - Postauratische Belsatungsstörung

René Schoemakers ist Philosoph und Künstler. Er lebt in Kiel und in der heiteren intellektuellen Distanz. Um das Wirkliche staunend zu befragen, bedarf es keiner Zentralposition. Als Künstler nimmt er eine schwer vermittelbare Sonderstellung ein. Als Philosoph weiß er, sich keck aus der Schlinge der Vergeblichkeit zu befreien. Sein Umgang mit Leinwand und Farben ist möglicherweise eine wohlüberlegte Trotzreaktion darauf, vielleicht aber auch nur eine Parallelaktion gegen intellektuelle Zerfallszeiten und das Vergessen. Seine künstlerischen Weltanschauungen leben aus der synchronen Präsentation divergierender Repräsentationsebenen: von Bildern im Bild, Schriftzeilen und Textfragmenten im Bild, Modellen im Bild. Eigensinnige Bilderfindungen sind seine Nahkampfzone. Nachsinnen schafft ihm die nötige innere Distanz. Beide Ebenen bilden den Hallraum für Schoemakers Hypothesenbildungen.

Die Komponenten seiner Arbeit arrangiert René
Schoemakers klar und analytisch. Das bedeutet nicht unbedingt, dass Sinn und Zweck dieses Verfahrens offenkundig vor Augen träten. Verwirrend mehrteilige Anordnungen, Kommentare, scharfe Schnitte, Sze­nen, die eher Versuchsanordnungen denn „Situationen“ gleichen, bestimmen die Koordinaten seiner künstlerischen Praxis. Mit dem sinnlichen Überredungspotenzial seiner Malerei führt er die Betrachter auf emotionale Eisflächen, die nichts geringeres bewirken sollen, als eine „postauratische Entlastungsstörung“. So auch der Titel der Ausstellung.

Schoemakers wählt Walter Benjamins Gedanken vom
„Verfall der Aura“ des Kunstwerks(*) als „gedankliches Sprungbrett zur Selbstvergewisserung“ (R.S.). Er widerspricht Benjamin und versteht es, das Auratische zu rehabilitieren – mit einer schriftlichen Erwiderung sowie bildgestützten Mitteln, insbesondere unter Einbeziehung seiner neuen Serie „radix“. Dabei geht er ausgesprochen intelligent und informiert zu Werke und vermag mit den zeitgenössischen Übereinkünften in Formhandhabung und bildsprachlichem Ausdruck hochkomplex zu hantieren.

Schoemakers ist ein konzeptioneller Künstler, für den das einzelne Werk immer nur im Kontext Wichtigkeit erlangt.

Daher auch des Künstlers Manie, in Serien zu arbeiten, strukturiert durch spezifische Ordnungsebenen und Nummerierungen.

In seinen Inszenierungen, in denen er nichts weniger als die Welt in sein Werk zieht, gilt das Wirkprinzip des extremen Naturalismus. Wer sich von seinen provokanten Thesen berührt sieht, befindet sich mit dem Künstler im gleichen Boot, auf einem Höhenflug aktueller Kunstproduktion und zugleich auf einem ihrer Scheiterhaufen.

Christoph Tannert

(*) In: Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1935)

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