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26.04.2013 – 01.06.2013

Kerstin Honeit - say it like it is

Der sloganhafte Titel von Kerstin Honeits erster Einzelausstellung say it like it is bei cubus-m suggeriert zweierlei: zum einen, dass eine Galerie als ein Ort fungieren kann, an dem „Klartext“ geredet werden und damit trotz ihrer kommerziellen Ausrichtung ein Forum für politische Themen bieten kann. Zum anderen suggeriert er eine enge Verknüpfung der Aussagekraft und des Wahrheitsgehaltes von gesprochener Sprache mit ihrem politischen Handlungspotential. „Say it like it really is, do it like it really is“ heißt es dementsprechend in einer Zeile der sozialkritisch-aktivistischen Hiphop-Formation Public Enemy, die ihre Konzerte häufig zugleich als öffentliche Protestveranstaltungen nutzt. Das politische Potential von Kerstin Honeits künstlerischer Praxis liegt nun gerade in den von ihr inszenierten Diskrepanzen von „Saying“ und
„Doing“ und den Handlungs- und Spielräumen, die sich hierdurch eröffnen.

Thematisch kreisen die drei in der Ausstellung präsentierten Videoarbeiten Joint Property (2013), Pigs in Progress (2013)
und On & Off (2010) um Gentrifizierungsprozesse in Berlin sowie der Frage nach persönlichem Besitz und Erinnerungen. Was sie vereint, ist die Auseinandersetzung mit der medialen Verkörperung von Stimme und den hierin impliziten Verfahren von Aneignung und Zuschreibungen.

Letzteres wird besonders bei der Synchronisierung von Filmen evident – ein Thema, das Kerstin Honeit seit längerem verfolgt. Die Stimme, die wir hören, entspricht hierbei nicht dem Körper, den wir sehen. In der Filmgeschichte hat dies gerade in politisch brisanten Zeiten in Hinsicht auf das tatsächlich gesprochene Wort Anlass zu Manipulationen geboten, sowie, und das bis heute, auch in Bezug auf die Genderperformanz der Stimmen.

Kerstin Honeit greift diese Implikationen auf, in dem sie in ihren Arbeiten selbst stets eine scheinbar neutrale Position einnimmt und, wie in Pigs in Progress und On & Off, als vermittelndes Medium geliehener Stimmen unterschiedlicher Figuren wie Politiken dient, die sie im Playback wiedergibt und somit im wörtlichen Sinne verkörpert. Umgekehrt wird in Honeits direkt für den Ausstellungsraum produzierten und bereits von außen zu erblickenden Doppelprojektion Joint Property ihr eigener Körper durch immer absurder werdende Requisiten (im Englischen
„props“) einer Wandlung unterzogen, die ihm sein jeweiliges Ebenbild im Wechsel zuwirft. Hierdurch werden nicht nur eindeutige geschlechtliche Zuordnungen zunehmend verunklärt, sondern zugleich auch Aspekte von Lust und Begehrlichkeiten aufgerufen. Verfahren der Zuschreibung und Aneignung lassen sich somit kaum mehr voneinander trennen. Ihre Entsprechung findet dieses Prinzip der Veruneindeu- tigung in den zwischen den einzelnen Akten der Wandlung von verschiedenen Stimmen gerufene Worte wie „Economy“ oder „Night out“, da sie sich prinzipiell sowohl auf den vorangegangen als auch den folgenden Akt beziehen lassen.

„Doing“ impliziert in Kerstin Honeits Arbeiten folglich immer auch ein „Doing Gender“, das durch das „Saying (Gender)“
zugleich unterstützt wie konterkariert wird.

Fiona McGovern

Künstler