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galerie son

Landschaften aus Pjöngjang
(25.08.2012 - 29.09.2012)




Galeriedetails
Kontakt:   
 
          galerie son
          Max Koffler
 
          Schinkelplatz 4
          10117 Berlin
          Deutschland
 
Telefon:   
030
Fax:   
 
E-Mail:   
Kontaktformular
Galerie:   
Link
   


Die Adresse der Ausstellung lautet:
 galerie son
Mauerstr. 80
Tel.:03053799703
 10117 Berlin

Beschreibung der Ausstellung:
 KĂĽnstler des nordkoreanischen Mansudae Art Studios in der
galerie son


Nur wenige Schritte von der nordkoreanischen Botschaft in
Berlin entfernt, stellt die galerie son ab Ende August ein
paar der renommiertesten KĂĽnstler des Mansudae Art
Studios aus Nordkorea vor. Die Gemälde und Graphiken
wurden vor Ort in Pjöngjang ausgewählt und zeigen eine
Vielfalt von Stilen und Techniken im Umgang mit dem
Thema Landschaft, das seit den 70er Jahren bei den
Mansudae-KĂĽnstlern ein beliebtes Sujet ist. Wasser, sei es
als See, Fluss oder Wasserfall, spielt in den meisten Werken
eine zentrale Rolle, wie auch die bergige koreanische
Landschaft. Keineswegs sollte die KĂĽnstlervereinigung
Mansudae als eine Variante des chinesischen KĂĽnstlerdorfes
Dafen, wo man in industriellem AusmaĂź Kopien anfertigt,
verstanden werden: Das Mansudae Art Studio fertigt zwar
auch „Gebrauchskunst“ an – darunter offizielle Skulpturen
und Denkmäler, die über die Mansudae Overseas Projects
gerne auch aus Afrika in Auftrag gegeben werden – es ist
aber zugleich ein Zusammenschluss von ca. 1000
individuell auf höchstem Niveau arbeitenden Künstlern, die
eine lange Ausbildungszeit und ein forderndes Studium
durchlaufen haben.
Diese Ausstellung ist die erste Etappe eines längerfristigen
Projektes der galerie son, die im Herbst nordkoreanische
Künstler zu einem längeren Arbeitsaufenthalt nach Berlin
einladen wird. Später soll ein Austausch auch mit
südkoreanischen Künstlern stattfinden, eine Annäherung
ähnlich derer, die zwischen Künstlern aus Ost- und
Westdeutschland nach dem Fall der Mauer stattfand: ein
Zusammenkommen im Bereich der Kunst als kleines
Wunder! Die ausgestellte Kunst zeigt, entgegen unserer
Erwartungen in Bezug auf Nordkorea, ein Bild der völligen
Normalität. So stellt KIM Myong Un in impressionistischen
Pinselstrichen das am Fluss Taedong gelegene Pjöngjang
voll flirrender Lichter in einer Abendstimmung, die sowohl
ein heiteres Paris des fin-de-siècle mit seinen Brücken über
der Seine wie auch eine heutige asiatische Megacity
evoziert. Im Hintergrund ist ein pinselförmiges Hochhaus zu
sehen, das die Chuch’e-Ideologie von Kim Il Sung
repräsentiert.
Die KĂĽnstler haben die Vorgabe, eine Kunst zu schaffen, die
einen den Volksmassen verständlichen Inhalt hat und die
Ideen von Sozialismus und Gemeinschaft verkörpert. Die
Chuch’e-Ideologie bezog die Intellektuellen in das
Vorantreiben der Nation ein: So zeigt das Emblem der
Koreanischen Partei der Arbeit auĂźer Hammer und Sichel
auch den Pinsel als deren Symbol.
In solch einer Ideologie ist abstrakte Kunst nicht möglich,
die Maler können aber gerade über die Darstellung von
Wasser große Flächen in ihre Werke integrieren, die sowohl
die Virtuosität des realistischen Malens wie auch den Reiz
des Abstrakten in sich vereinen. Das wird besonders
deutlich im Ă–lbild von KIM Song Gun, das eine
Küstenlandschaft mit sich wild aufbäumenden
Wassermassen zeigt, im Hintergrund zerklĂĽftete
Felsformationen der Kumgang-Berge, die durch die
Einwirkung des Wassers zu kollabieren scheinen. Die
Darstellung winziger Möwen im Vordergrund lässt das
Wasser noch stärker als Inbegriff eines machtvollen
Naturelements erscheinen. Ob die Wucht des
grĂĽnleuchtenden Wassers eher als Parabel fĂĽr ein Regime
oder schlichtweg fĂĽr den Lauf der Zeit steht, das bleibt dem
Betrachter ĂĽberlassen. Dieses Bild ist eine Fassung eines
Gemäldes, das gerne als Hintergrund für offizielle Fotos - so
auch beim Besuch von Bill Clinton 2009 - benutzt wurde
und vom Journalisten Eric Gibson im „Wall Street Journal“
allzu schnell als „totalitärer Kitsch“ verdammt wurde. Aber
auch er erkannte, dass „die Wellen größer waren als die
Honoratioren, die fĂĽr das Bild posierten, und sie
beherrschten den Vordergrund so, als wären sie dabei,
auszubrechen und die versammelten Würdenträger zu
ertränken“.
Viele Mansudae-KĂĽnstler arbeiten noch in traditionellen
Techniken mit langer Tradition. Es werden Holzschnitte und
die chonsunhua genannte Pinsel-und-Tusche-Malerei zu
sehen sein, die in Korea immer etwas wagemutiger als in
China ausfiel. Einen besonderen ästhetischen Reiz entfalten
die Holzschnitte des KĂĽnstlers HONG Chun Ung. Er zeigt
zwei Ansichten des Berges Baekdu in all seiner Erhabenheit
und Majestät: den Berg in der Ferne und den See, der sich
in seinem schneebedeckten Krater gebildet hat. Die
ungewöhnlichen Farben leuchten lackähnlich und sind eine
Besonderheit des koreanischen Holzschnittes.
Der Baekdusan (san=Berg) ist von zentraler Symbolik
sowohl fĂĽr Nord- wie auch SĂĽdkorea, denn er wird als ein
heiliger Ort gesehen, wo der Ursprung der koreanischen
Nation in Urzeiten liegt. Dort soll das erste Reich von
Gojoseon 2333 v. Ch. gegrĂĽndet worden sein. Von
nachfolgenden Dynastien wurde der Berg weiterhin verehrt,
die Nordkoreaner haben ihn auch in sozialistischer Hinsicht
mythifiziert, als ein Ort des Widerstandes gegen die Japaner
durch Kim Il Sung und als Geburtsort von Kim Jong Il.
Durch die Wechselfälle der Geschichte gehört dieser Berg
und der Kratersee jetzt zur Hälfte Nordkorea und China.
Michel Poivert schrieb über die Mansudae-Künstler: „Wir
werden Zeugen einer Menschlichkeit, die durch die
Sanftheit der dargestellten Körper und Haltungen an die
Oberfläche kommt, und die dem Anschein nach die
fortdauernden Bilder der Autorität in ihrem innersten
Herzen ablehnt“. So sind die ausgestellten Künstler in ihren
weicheren, „traditionelleren“ Werken oft am
„zeitgenössischsten“ und am nächsten. Und uns wird ein
Blick in eine Welt zuteil, in der Künstler unter völlig anderen
Bedingungen arbeiten.

von Verena ALVES-RICHTER


 
 Artists of the North Korean Mansudae Art Studio in galerie son Only a few steps away from the North Korean embassy, galerie son is exhibiting from the end of August a small selection of works by some of the most renowned artists of the Mansudae Art Studio of North Korea. The paintings and prints were chosen in Pyongyang and show a variety of styles and techniques in dealing with the subject of landscape, which has become very popular with the Mansudae-artists since the Seventies. Water, be it the sea, a lake, river or waterfall, plays a central role in most of the works, as does the mountainous Korean landscape. The association of artists Mansudae should not at all be understood as a variant of the Chinese artists’ village Dafen, which produces copies of paintings on an industrial scale. Although the Mansudae Art Studio also produces “utilitarian” art – for example official sculptures and paintings that are often commissioned from Africa – it is at the same time a pool of about 1.000 artists working individualistically, who have gone through a long period of training and demanding studies. This exhibition is the first step in a long-term project of galerie son, which intends to bring a few North Korean artists to work over a longer period of time in Berlin. Later, an exchange is intended to take place with South Korean artists, a rapprochement similar to the one that took place between artists from East and West Germany after the fall of the Wall: an approach in the field of art as a small miracle! Against our expectations of North Korean art, the works in the exhibition show a picture of complete normality. Thus, KIM Myong Un shows Pyongyang in evening mood, full of shimmering lights at the border of the river Taedong and ressembling both fin-de-siècle Paris with its bridges overspanning the Seine, and a contemporary Asian megacity. In the background, a skyscraper in the form of a paintbrush can be seen that represents the Chuch’e ideology of Kim Il Sung. Herein artists have the task of creating art with a content matter understandable to the masses and embodying the ideas of Socialism and community. The Chuch’e ideology integrated the intellectuals in the process of moving the nation forward: the emblem of the Korean Worker’s Party shows the paintbrush beside the hammer and sickle. Within such an ideology, abstract art is not acceptable. But particularly in the representation of water, painters are able to create big surfaces that integrate both the virtuosity of realistic depiction and the zest of the abstract. This becomes specially evident in the oilpainting by KIM Song Gun showing a seashore landscape with water masses wildly rising before a background of jagged rock formations belonging to the Kumgang-mountains, which look as if they are collapsing due to the impact of the water. The representation of little seagulls in the foreground further emphasizes the quality of water as a powerful force of nature. Whether this force is a metaphore for the regime or just a representation of the passing of time is left to the viewer. This picture is a variant of a painting by the same artist, which was often used as a background for official photographs of politicians, like when Bill Clinton came on an official visit in 2009. The Wall Street Journal’s reporter Eric Gibson condemned it all to quickly as “totalitarian kitsch”. But even he noticed that “the waves were bigger than the figures posing for the photograph, and they dominated the foreground as if ready to break out and drown the assembled dignitaries.” Many of the Mansudae artists still work in traditional Asian techniques that have a long tradition. There will be woodcuts on show, and also the chonsunhua or “brush- and-ink” technique, which in Korea always was a bit bolder than in China. A special aesthetical allure is unfolded in the woodcuts of HONG Chun Ung. He shows two depictions of Mount Baekdu in all its majesty and gravity: the mountain seen from far away, and the lake within its snowy edged crater. The unusual colours shine like lacquer, a specificity of Korean woodcut. The Baekdusan (“san” meaning mount) has a great symbolic value both for North and South Korea, since it is seen as a sacred place where the origin of the Korean nation lies. Here is where the first kingdom of Gojoseon was founded in 2333 BC. Also the following dynasties revered the mountain, and even North Koreans still mystified it in a Socialistic way by emphasizing it as the location from where resistance against the Japanese took place and as the birthplace of Kim Jong Il. Through the vicissitudes of history, this mountain and its craterlake are now divided by a border and belong half to North Korea and half to China. The art historian Michel Poivert wrote about the Mansudae artists: “we witness humanity rising visibly to the surface through the softness of bodies and attitudes, seemingly rejecting all these enduring images of authority in its heart of hearts”. Perhaps that’s why we perceive the artists in this exhibition as being nearest to us and most modern precisely when they are working in the softer and more traditional way. And we are granted an insight into a world in which artists work under utterly different conditions. by Verena ALVES-RICHTER



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