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Galerie Thomas Fuchs

Patrick Angus
(09.02.2015 - 21.03.2015)




Galeriedetails
Kontakt:   
 
          Galerie Thomas Fuchs
          Thomas Fuchs
 
          Reinsburgstraße 68A
          70178 Stuttgart
          Deutschland
 
Telefon:   
4971193342415
Fax:   
4971146913377
 
E-Mail:   
Kontaktformular
Galerie:   
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Die Adresse der Ausstellung lautet:
 Galerie Thomas Fuchs
Reinsburgstraße 68A
Tel.:4971193342415
 70178 Stuttgart

Beschreibung der Ausstellung:
 Als Toulouse-Lautrec des Times Square beschrieb der
Dramatiker Robert Patrick den jungen amerikanischen Maler
Patrick Angus. Was Henri de Toulouse-Lautrec im
ausgehenden 19. Jahrhundert mit seinen direkten und
ungeschminkten Darstellungen des Pariser Nachtlebens rund
um den Montmartre war, ist Angus mit seinen Darstellungen
der schwulen Untergrundszene für das New York der 1980er
Jahre. Zu einer Zeit, in der, besonders in den USA, die
abstrakte und vor allem auch die minimalistische Kunst
vorherrschend war, wendet sich der 1953 in Nord-Hollywood
geborene Patrick Angus ganz bewusst wieder der figurativen
Malerei zu. Seine Gemälde und Zeichnungen reichen von
Portraits über Stadt- und Landschaften bis hin zu
Darstellungen des schwulen Untergrundmilieus mit seinen
Stripshows, einschlägigen Bars und Badehäusern, die er mit
einer hohen Sensibilität zu zeigen weiß. Die ungeschönten
Szenen von Figuren und Situationen aus diesem Milieu der
New Yorker „Halbwelt“ eint sein Werk thematisch mit dem
des französischen Malers mit dessen Darstellungen seiner
Demimonde.

Im Alter von 20 Jahren kommt Angus über seinen Kunstlehrer
an ein Buch mit Zeichnungen von David Hockney und ist
sogleich fasziniert von dessen Darstellungen des „guten und
schönen“ schwulen Lebens in Los Angeles. Von dieser
glänzenden Welt angezogen, reist der junge Angus 1975 nach
Los Angeles auf der Suche nach der in Hockney‘s Bildern
präsentierten Welt. Doch resigniert muss er feststellen, dass
dieses Leben für Menschen in seiner Einkommensgruppe
nicht existiert, außer natürlich, wenn sie schön sind. Diese
Erkenntnis, weitere Ablehnungen und das daraus entstandene
geringe Selbstbewusstsein ließen Angus, nach seiner
Übersiedlung an die Ostküste, in Manhattan zu einem
passiven Beobachter und gleichzeitig aktiven Besucher
schwuler Institutionen wie den Stripshows und Badehäusern
werden. Diese befriedigten zwar seine Lust, verstärkten
gleichzeitig aber auch sein Minderwertigkeitsgefühl. Angus
stellt diese Tragik einsamer Herzen, die versuchen, sich
darüber hinwegzuhelfen, dass sie das, was sie eigentlich
suchen – Liebe – nicht finden können, in seinen Bildern mit
einer hohen malerischen Qualität dar. Weit über die
Ungehemmtheit seiner Motive dieser Untergrundszene
hinaus, schafft er, durch seine Kompositionen und seinen
Einsatz von Licht und expressiver Farbigkeit, deren
Atmosphäre einzufangen. Die Suche nach Liebe und
Wertschätzung, ein soziales Thema das schon viele
Schriftsteller und Künstler beschäftigte, bringt Angus so zum
Ausdruck. Seine persönliche Homosexualität ist dabei
nebensächlich, schafft Angus es doch, dem Betrachter,
unabhängig von dessen sexueller Orientierung und dem Motiv
der Bilder, jene Sehnsucht zu vermitteln, die er in seinen
Figuren greifbar macht. Diese Sehnsucht ist zeitlos, ja
insbesondere heute, im Zeitalter des Internet, sogar
brandaktuell.

Der Dandy Quentin Crisp beschrieb die Arbeiten von Angus
einmal als bewusst schamlos. Diese verbreitete
Misinterpretation seiner Bilder war wahrscheinlich einer der
Gründe, warum seine Arbeiten von Galeristen immer wieder
abgelehnt wurden. Angst vor Ablehnung führte dazu, dass er
alle Hoffnungen auf Anerkennung als ernstzunehmender
Künstler aufgegeben hatte, aber in bitterer Armut lebend
weiter malte. Patrick Angus wollte nicht die schöne
homosexuelle Welt zeigen, wie sie für nur wenige wirklich
existiert. Er zeigt vielmehr die schwule Welt in der er lebte.
So sagte er einmal: Twenty three years after Stonewall, gay
people still have few honest images of themselves, and most
of those occur in our literature. Gay men long to see
themselves - in films, plays, television, paintings. They
seldom do. Obviously, we must picture ourselves. These are
my pictures.

Trotz der teilweise expliziten Motive und der düsteren Szenen
strahlen Angus‘ Bilder durch ihre nüchternen aber nicht
unemotionalen und im Kontrast dazu malerisch farbintensiven
Darstellungen Sympathie und Verständnis aus. Einige Bilder
dieser Motive sind mit Titeln berühmter Discosongs, die von
Tänzern für ihre Striptease und Nackttanzeinlagen
ausgewählt wurden, versehen. Einige drücken mit Titeln wie
„I’m only human“, „boys do fall in love“ und „remember the
promise you made“ aus Songs von Größen wie Diana Ross,
Queen, Bobby Brown und Grace Jones Schmerzlichkeit auf
eine ironische Art und Weise aus. Seine Bilder zeigen mit
ihren Kompositionen, der Farbgebung und dem gekonnten
Darstellen von Figuren und Körpersprache sein großes
malerisches Können und den hohen Sinn für das Ästhetische,
über den er verfügte. Grundlegend für Patrick Angus‘ Malerei
ist der Gedanke, dass Kunst auf Beobachtungen basiert. So
machte er es sich, inspiriert von der großen Picasso
Retrospektive 1980 im MoMA, zur Aufgabe, Inspiration für
seine Arbeiten nicht in anderer Kunst, sondern im Leben zu
suchen. Die Beobachtungen und Erfahrungen, die er in den
80ern in der schwulen Untergrundszene in New York machte,
wurden nach dieser Devise das Motiv und der Inhalt seiner
Bilder. Aber auch in seinen Portraits von Freunden und den
Stadt- und Landschaften lässt sich diese Grundlage der
Malerei sowie sein Kunstsinn und meisterhaftes Handwerk
erkennen. Mit seiner ausgeprägten Beobachtungsgabe schafft
Angus es, nicht nur das objektiv Sichtbare der Motive in
seinen Portraits darzustellen, sondern auch eine ganz private,
fast schon intime Atmosphäre in diesen Bildern zu kreieren.
In den teilweise detailgetreu dargestellten Wohnräumen wie
Schlaf- und Wohnzimmern zeigt Angus die Individuen hinter
den Motiven, echte, verletzliche Menschen zwischen ihren
Besitztümern. Diese Bilder stehen in der Tradition des
amerikanischen Realismus und seinen Vertretern wie James
Whistler, Thomas Eakins und Edward Hopper. Seine
menschenleeren Landschaften spiegeln eine Einsamkeit
wieder, die auch in den Bildern Hoppers zu spüren ist. Mit ihm
teilt Angus die Darstellung einer Vereinsamung des modernen
Menschen. Diese Einsamkeit und die Versuche diese zu
kompensieren, spielen im Ouevre Angus’ eine große Rolle.

Seit der Diagnose seiner Infizierung mit Aids fürchtete Angus,
mehr als den Tod, sein Werk würde mit ihm in der
Versenkung verschwinden. Doch in den Monaten vor seinem
krankheitsbedingten Tod 1992 fand sein Werk doch noch
Anerkennung: ihm wurden mehrere Einzelausstellungen
gewidmet und ein Buch mit seinen Bildern wurde publiziert.
Der Kunstgeschichte ist Patrick Angus heute auch kein
unbekannter Name mehr. So ist er in mehreren
kunstgeschichtlichen Werken wie unter anderem in „Art and
Queer Culture“ bei Phaidon vertreten und in Museen zu
finden. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde er durch
den 2009 erschienenen Kinofilm „An Englishman in New
York“. Hier sind zahlreiche seiner Werke zu sehen und seine
Geschichte bildet einen der Haupthandlungstränge des Films.
Zwar wurde die Relevanz seiner Arbeiten mittlerweile
erkannt, ausgeschöpft ist das Oeuvre Angus‘ aber noch lange
nicht. 

Tobias Bednarz
 
 The young American artist Patrick Angus was called The Toulouse-Lautrec of Times Square by dramatist Robert Patrick. What Henri de Toulouse-Lautrec was at the end of the 19th century with his direct and unvarnished depictions of the Parisian nightlife around the Montmartre, is Angus with his depictions of the gay underground scene for the New York of the 1980s. At a time when especially in the USA abstract and particularly minimalistic art was predominate Patrick Angus, born in 1953 in North-Hollywood, turned to figurative painting. His paintings and drawings range from portraits, city- and landscapes to depictions of the gay underground milieu with its stripshows, bars and bathhouses that he shows with a high sensibility. The unadorned scenes of figures and situations of this milieu unifies his work thematically with the work of the French painter with his depictions of his demimonde one century earlier. At the age of 20 Angus got a book of drawings by David Hockney from his art teacher and was instantly fascinated by his depictions of the „good and beautiful“ gay life in Los Angeles. Attracted by this gleaming world, he travelled to Los Angeles in 1975, looking for the world presented in Hockney’s paintings. But resignedly he had to realise that this life doesn‘t exist for people of his income bracket, unless of course they are beautiful and rich. After his emigration to the east cost, this insight, further refusals and the resultantly emerging low self-confidence let him become a passive observer and at the same time active visitor of habitués of gay venues like stripshows and bathhouses. Such places satisfied his desire, but at the same time increased his low self-confidence. With a high pictorial quality, Angus shows the tragedy of lonely hearts, of men who are trying to help each other to get over the fact that they can‘t find what they are looking for - love.  With his compositions and his use of light and expressive colour he catches the atmosphere of underground art scenes and goes further than just showing sexual abandon. The search for love and appreciation, a social topic that has bothered many writers and artists throughout time, is often Patrick Angus‘ subject. He mediates this longing with the viewer, independent from his/her sexual orientation or the subject of the painting, by making this longing visible in his figures. This ancient longing is timeless, especially today, in times of Internet. Dandy Quentin Crisp described Angus’ paintings as deliberately shameless. This common misreading of them is probably one of the reasons why his works were refused by gallery owners. Fear of rejection led to an abandonment of all his hopes of recognition as a serious artist, as opposed to pornographer, but he continued painting furiously while living in direst poverty. Patrick Angus showed the gay world he lived in. He said: Twenty three years after Stonewall, gay people still have few honest images of themselves, and most of those occur in our literature. Gay men long to see themselves - in films, plays, television, paintings. They seldom do. Obviously, we must picture ourselves. These are my pictures. Despite the carnality of the dark scenes, Angus‘ paintings radiate sympathy and compassion for his subjects, through their sober miens contrasted with vibrant colours.  Some paintings have titles from famous disco music, chosen by the dancers for their strip tease to naked dances. Some ironically express poignancy, as with “I’m only human”, “boys do fall in love”, “remember the promise you made”, etc., sung by super stars such as Diana Ross, Queen, Bobby Brown, Grace Jones. With their composition, colour and masterful depictions of gesture and body language, these paintings are the work of a master of great skill and high aesthetic sensibilities. Inspired by a big Picasso retrospective in 1980 at the MoMA, he made it his duty to search inspiration for his paintings not in other art but in life. Observations and experiences he made in the gay underground scene in New York during the 1980s became the subject and content of his paintings. Also his portraits of friends and his cityscapes and landscapes reveal his virtuosity and mastery of the principles of the great traditions of painting. With his distinctive observation skills Angus manages not only to show the objective visibility of the subjects but to creates a private, intimate atmosphere through the details of living spaces like bedrooms and living rooms. We see real people, vulnerable among their possessions. These paintings are in the great tradition of American social-realism, akin to the work of James Whistler, Thomas Eakins, Edward Hopper. Angus’ deserted landscapes compare with Hopper’s bleak scenes of urban life. With Hopper, Angus shares deep compassion for the loneliness of modern man. This loneliness and the efforts to compensate for it, play a very important role in Angus‘ oeuvre. Since he was diagnosed with the AIDS virus more than death Patrick Angus feared his work would disappear with him.  But in the months before his death in 1992 his work gained some recognition after all: a book of his paintings was published and several solo-exhibitions were devoted to him. His name has begun to take its place in art history. His works are now shown in museums and he is represented in Phaidon’s new art reference book „Art and Queer Culture“. To a wider public he became known through the movie „An Englishman in New York“ from 2009. The film dramatizes how Quentin Crisp befriended and encouraged the young artist, with many of his paintings shown on the big screen. Although the relevance of his work is recognized by now, the full potential of his oeuvre is far from being exhausted. (Text by Tobias Bednarz)



Galerie Thomas Fuchs

 
   
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