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Roselyne Titaud




Details
Roselyne Titaud
(1977)
 
Kontakt
Roselyne Titaud
 
Tel: 040/25413754
   
 Über Roselyne Titaud
»Solitude alltäglich/quotidien«

Seit 1990 hat die Akademie Schloss Solitude die paradoxe Aufgabe, das private Leben von auserwählten Künstlerinnen und Künstlern mit öffentlichen Mitteln zu fördern. 920 Stipendiaten durften seit ihrer Gründung die Unterstützung der Akademie erfahren. In all den Jahren waren die Studios bis auf wenige Ausnahmen (Sommerfeste, Ausstellungen) ausschließlich privater Bereich. Die neugierigen Blicke der zahlreichen Besucher durch die Fensterscheiben in die Studios gehören zum Alltag der auf Solitude lebenden Künstler, und insbesondere die Musik-Stipendiaten, deren Studiotüren und Fenster zur Gartenseite hin liegen, haben oft den Eindruck, dass manche Spaziergänger auf Sie schauen wie auf exotische Tiere im Zoo.

Mit der Ausstellung »Solitude alltäglich/quotidien« öffnen sich nun für einige Wochen die Türen der Solitude-Studios. Ein Jahr lang hat die französische Fotografin Roselyne Titaud Solitude-Interieurs fotografiert, denn sie war selbst Stipendiatin unter Stipendiaten, durfte in das private Leben ihrer Künstlerkollegen eindringen und es in Bildern festhalten. Auch wenn manche Interieurs und Arrangements für Insider erkennbar sind, bleiben ihre Fotografien anonym. Denn auf den Bildern von Roselyne Titaud, die aus kunsthistorischer Sicht in die Kategorie des Stilllebens gehören, ist niemals ein Mensch zu sehen. Und doch gibt es kaum einen Künstler, in diesem Fall eine Künstlerin, der mehr am Leben der anderen gelegen wäre, als ihr.

In den Fotoserien, die sie seit ihrer ersten Ausstellung im Jahr 2002 der Öffentlichkeit präsentiert hat, zeigt Roselyne Titaud, dass private Räume, Wohnzimmer und Schlafzimmer mehr sind, als nur funktionale Lebensräume: Es geht ihr vor allem darum, die poetische Dimension der Inszenierungen, die sie beobachtet, sichtbar zu machen und ihr eine adäquate Bildersprache zu verleihen. In ihren bisherigen Arbeiten befasste sich Roselyne Titaud vorwiegend mit Räumen, die erstarrt zu sein schienen, Eingangshallen, Wohn- und Schlafzimmer von Menschen, die mit der Inszenierung ihrer Privatheit eine Art von Stillstand erreicht hatten. »In all diesen Bildern«, so Roselyne Titaud über ihre eigene Arbeit, »geht es um Unzeitlichkeit, oder viel eher noch um ein Zusammenrinnen der Zeit, einer Zeit, die sich selbst gehört, von dem Moment an, wo ich sie fotografiere. Meine Sujets haben nichts mit dem Augenblick zu tun, sie erzählen von etwas anderem, von etwas, das angehalten wurde, nicht nur von der Fotografie, sondern auch schon in der Realität. Die Echtzeit will ich keineswegs gegen die Zeit der Fotografie austauschen. Die Zeit befindet sich bereits in diesem Wartezustand, wenn ich sie aufhalte, auch wenn die Aufnahme nur einen Augenblick dauert.«

Einen Wendepunkt in ihrer Arbeit markiert der erste Aufenthalt Roselyne Titauds in Stuttgart im Rahmen eines Künstleraustauschs zwischen dem Institut Français und Art3 Valence im Jahre 2008. Damals hatte sie eine Fotoserie im Kloster des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal erstellt: Perfekt eingerichtet warten Gemeinschaftsräume, Schlafzimmer, Refektorien und Kircheninterieurs auf ihre künftigen Nutzer und zeugen von der Fürsorge der katholischen Einrichtung für ihre Gäste. Auf Solitude betritt Roselyne Titaud die bewohnten Räume einer Einrichtung, die sich gleichfalls – wenn auch unter anderen Voraussetzungen – für das Wohlbefinden ihrer Gäste und Stipendiaten einsetzt. Die 45 Studios der Akademie werden von Menschen bewohnt, die anscheinend alle unter denselben Bedingungen leben, denn die Solitude-Wohnungen sind in der Regel einheitlich möbliert: anthrazitgraue Schränke, schwarze Regale, helle Holztische, schwarze Stühle. Und trotzdem sind Titauds Bilder überraschend vielfältig, denn sie spiegeln die Singularität der Künstlerinnen und Künstler wider, die sich diese Räume mit persönlichen Gegenständen und individuellen gestalterischen Ideen angeeignet haben.

Auf Solitude sind die Interieurs der Stipendiatenstudios immer in Bewegung: jedes noch so kleine Detail, jede Ecke zeugt vom Leben, mit dem diese Räume gefüllt sind. In ihren Bildern zeigt Roselyne Titaud ein unendliches Spiel mit Themen und Variationen: Es sind Stillleben, die sich von einem Raum zum nächsten ähneln, weil sie sich auf dem gleichen Tisch oder dem gleichen Regal abspielen, aber jedes Interieur ist geprägt von einem anderen Menschen, von einer anderen Absicht. Was auch immer Roselyne Titaud fotografiert – Nahrungsmittel neben Büchern, Reste, Plastikflaschen, Papierservietten, Bettlaken, Antiquitäten, Sessel, Aschenbecher und vieles mehr–, nie fällt sie ein Urteil, weder ein ästhetisches und noch ein soziales. Ihre Arbeit ist stets von Neugierde und Sympathie für die anonymen Urheber gesteuert, deren poetische Installationen sie wiedergibt und mit denen, insbesondere auf Solitude, sie stets bereit ist, sich zu identifizieren.

Diese Ausstellung ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Institut Français de Stuttgart, dem die Akademie an dieser Stelle herzlich danken möchte: nicht nur weil die Zusammenarbeit mit den französischen Partnern und mit dem französischen Generalkonsul Herrn Christian Dumon stets effektiv und kollegial verlief, sondern auch weil die Akademie dem Institut Français die Bekanntschaft mit Roselyne Titaud verdankt. Anlässlich dieser Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog, der mit der finanziellen Unterstützung von ADERA, »Association des Ecoles d’art de la Région Rhône-Alpes« (Verband der Kunsthochschulen der Region Rhône-Alpes) realisiert wurde. Unser Dank gilt der Geschäftsführerin von ADERA, Frau Marie-Claude Jeune, und schließlich gilt unser Dank der Künstlerin selbst, Roselyne Titaud, die sich des Themas »Solitude alltäglich/quotidien« mit Begeisterung angenommen hat und uns Einblicke gewährt in das Privatleben von Künstlern, ohne deren Geheimnisse preiszugeben.

Jean-Baptiste Joly
 
 In a Labyrinth of Fictions The photographs of Roselyn Titaud collect the home for us. The home for all practical conversations is a space or the site where the relationships and rituals of a family are enacted, performed, constructed and lived. Titaud changes this for us in the way she quotes the corners of living spaces in her photographs. She in a way discovers the facts of the home. The phenomenology of home as concrete space or as the site of and for a particular experience is culled out in the sets of objects that linger on in the physical space. The lingering object, and essentially the orchestrated play of these lingering objects, forms the crux of our experience of home and family. As light filters through the lace curtain and evenly fills the room with a heavenly ambience the pavilion with its trees as references to a distant oriental or Dutch landscape animate the space. The view inside the room begins to complete a picture with the lace table-cloth and its geometric-floral patterns with fruit bowls, walnuts in a wooden platter, painted pottery, and classic teakwood and leather chairs, along with another curtain with black streaks as if on the coat of a tiger. Well, there is also the mosaic-finish on the walls. On another occasion one sees the view inside the room where you have… a settee with a velvet-finish cover of brown background with orange maple leaves, a blue hand-rest, a plain brown back, a red, black and white patterned cushion-cover, a landscape poster, a glass shelf bracket with a lace cloth on it, holding a vase containing red and yellow plastic flowers, an empty cylindrical vase, and a curio. Every picture that Titaud frames there is a dual act – one, where the objects come together as if it is the most obvious thing for them to be there, making the space of home and living, carefully put or the many moments of chance that have accumulated these objects in that organized and choreographed manner; but on another note the individual-ness and the unrelated-ness of one object in this collage with the other/s is apparent. This coming together of 2 opposite understandings in the same viewing is the crucial aspect of Titaud’s photographs. As much as the sentimentality of living in a home and its projection of a family are contained in these pictures, they do also deconstruct the image and formula of that space of emotion. Random objects and their shared memories construct that emotion, which often borders on the sentimental. Most of these objects have a shared memory, and an imagined emotion, which together make the home. The home is defined against that which is supposedly outside it, i.e. the space of the world outside – the space of work, play, market, etc. that which is public. Often the space of the home then becomes an endeavor to reconstruct that outside world inside a confined physical limit of the house or apartment. This is a world that contains not only ourselves but other selves from the world, who or which are now domesticated as against the uncertain, unpredictable and ambiguous nature of these very objects in the ‘wild’ world outside. It also becomes a space of reconstructing reminiscence and denials – what is of the world that one wishes to recollect and hold inside the house as the holder of desire or fear. The home is then the haven, a kind of doll house that can be stored with objects that apparently have a clear form and purpose, but underneath contain narratives of the home that posses it. These objects are allegories of those who compose them. Titaud’s photographs capture precisely these allegories. Rather than operating as a photographer, she in some way performs the act of magic, like the fantastic crystal-ball reader of the ‘east’ who can capture, in this case the narrative of home and life. Her photographs have no human beings, but their performances and their actions are so strongly present that their absence-presence is literally surreal. So once the image has done its job of presenting the ‘sweet-home’ it sets forth to understand the ‘interior’, the very-defined enclosed and contained frame of the ‘inside’. As much as her photographs of the beds in the studios of Akademie Schloss Solitude indicate the immediate-ness of an absence, her earlier images are capturing the time between the performance and the waiting - the performance of ‘home-making’ and the waiting of a ‘user’. However the images of the crumpled yet silent bed, the folded yet anxious cover-sheet of the bed as well as the vase in the corner, or the lace centre-piece on the dining table seem calm and composed, as if their purpose was to be in that in-between space, now they are at peace, not being used, but performing the memories, anxieties, and reminiscences of a constructed life-space. As the lens starts focusing on the studios in Akademie Schloss Solitude, the same photographic endeavor reveals the working space of artists and academicians, where mostly single individuals use the studio to live and work for short durations of 3-12 months. The in-between home, the working space that also doubles up as the home is tense about being the ‘home elsewhere’ while also the space now of an artist anxious of the way he or she deals with life. The frame captures objects once again; however these objects just seem to miss the choreographed nature of the earlier pictures. There is a further randomness in the collection of these objects and hence the frame. Titaud’s framing now includes the personal more sharply. The abstract yet composed objects that framed the home earlier are now replaced by single or fewer objects located in a space-context; while her earlier pictures framed the space per se with the objects central as the characters of that play now the space itself is probably one of the objects alongside others. The assorted objects are obvious in this case, they do not presume a strong narrative, but now they are the collage they resemble of the one at ‘home’ or of an imagined home. The narrative is constructed through the construction of an ornamented spatiality. The objects ornamental themselves come together to heighten the experience of that which is embellishment and flourish and hence ornamental. The ornamental in this case leads in a concrete way towards establishing a fixed notion of home and the world. The ornamental in the case of the artists’ studios at Solitude is contained in a sense of ‘collection’. The collected objects try and piece together a narrative, but it is actually their joints that are there to observe, and they are not lost in the narrative. Titaud has the capacity to not only sense these aspects but also be able to frame it, frame the ‘sense of space’ rather than simply framing objects and their collective settings. What Titaud begins to do in her earlier photographs of the home, reaches an ontological expression even sharper now in the pictures at the Akademie. As much as her photographs contain objects in a self-complete way, there are also objects that are within the frame only partly. They have entered the frame incomplete or they indicate the continuity of that frame elsewhere; in either case, the finality of frame that Titaud’s photographs indicate is always running away to, or waiting for, some other ideal and larger frame elsewhere. Again here Titaud is playing out the sense of object-subject relationship, the objects she has framed, and however universally recognizable they are they seem to exist in specific subject-conditions of the very specific space that the picture belongs to. That vase and that wall-paper, or the curio and tablecloth belong to every home, and yet they are their owner’s very personal objects. The range of Titaud’s work indicates her concern with two concepts very clearly, the object-hood of things and the sense of a collection. Looking at dry aquariums or cemeteries, the same act is performed with very different valences. Her pictures of the studios at the Akademie bring a specific interjection as to how space is perceived and understood, how the space is performed with the sense of collected objects, and defined personally through performed collections. Within the details of these conversations between object-hood and collections, and being proposed in different locations – home, studio, aquarium, cemetery, the aspects of culture’s location in emotion and sentimentality is emerging intriguingly. A set of people defined by practice, cultural imagination, nationality or a believed common history invest always in a space of emotion, but always with a more epistemological or aesthetic argument, and Titaud’s photographs are crucial in helping us dissect and investigate these behaviors and habits of people and cultures. By Kaiwan Mehta

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